Gerichtliche Schätzungsurkunden
Johannes Andreas Kienreich. Graz. 1816. Sign.: GRAZER DRUCKE I 212622. Projektnummer: 52-2026.212622
Gerichtliche Schätzungsurkunden der in Folge allerhöchster Bewilligung vom 22sten Juno 1815 durch eine eigene Lotterie ausgespielt werdenden Herrschaft Eichberg
Was heute wie ein kurioses Gewinnspiel wirkt, war im frühen 19. Jahrhundert eine reale wirtschaftliche Strategie: Eine ganze Herrschaft wurde verlost. Dieses 1816 in Graz gedruckte Werk dokumentiert diese außergewöhnliche Praxis. Nach den Umbrüchen der napoleonischen Zeit suchten Besitzende nach neuen Wegen, ihre Güter zu veräußern, und die staatlich genehmigte Lotterie der Herrschaft Eichberg war ein solcher Versuch. Das Buch Gerichtliche Schätzungsurkunden fungiert dabei als offizieller Begleitband und legt präzise offen, was hier überhaupt „zu gewinnen“ war: ein weit verzweigtes Ensemble aus Schloss, Mühlen, Sägewerken, Waldungen, Kohlwerken und sogar städtischen Immobilien in Graz. Die detaillierten Schätzungen machen sichtbar, wie Wert damals gedacht wurde und eröffnen zugleich ein lebendiges Bild der steirischen Wirtschafts- und Alltagswelt um 1815.
Auch als Objekt ist das Werk bemerkenswert. Gedruckt in Frakturschrift bei Johann Andreas Kienreich und ausgestattet mit vier Kupferstich-Tafeln, führt es die Besitzungen eindrucksvoll vor Augen: Schloss Eichberg, der Edelsitz Grottenstein bei Graz, die Mühle zu Lafnitz und das Haus Nr. 130 in Graz. In der Verbindung aus Verwaltungsdokument, Wirtschaftsbericht und visuellem Zeugnis liegt der besondere Wert dieses Buches: Es bewahrt ein ungewöhnliches Kapitel steirischer Geschichte und macht vergangene Lebens- und Besitzverhältnisse sichtbar.
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Fotocredits: Uni Graz/Restaurierung